Löscheimer aus Leder, Helm, die Saugfeuerspritze aus dem Jahr 1878, ein alter Hydrantenwagen, eine Feuerwehrstandarte und der Rest eines Pferdehalfters mit einer Messingplatte und der Aufschrift "MURR - 2. ROTT" samt Jahreszahl 1786 erinnern an die Geschichte der Feuerwehr, die 1878 mit dem Kronenwirt Karl Lämmle an der Spitze neu gegründet wurde. Am 15. Januar 1878, so ist in den Protokollen nachzulesen, beschloß der Gemeinderat "eine neue Fahrfeuerspritze neuer Construktion Saug-Feuerspritze auf Kosten der Gemeindepflege anzuschaffen". Schon am 25. Februar 1879 beschloß der Gemeinderat die entsprechende Einkleidung und Ausrüstung der Wehrmänner. Dabei durfte dann selbst der "weiße Haarbusch" für den Helm des Kommandanten nicht fehlen. Am 4. Februar 1884 wurde vom Verwaltungsrat die Neueinteilung der Wehr beschlossen und zwar folgendermaßen:
1. Steigabteilung 19 Mann,
2. Zug Spritzenmannschaft zur neuen Spritze eingekleidet 17 Mann,
3. Zug Mannschaft zur neuen Spritze nicht eingekleidet (Ablösung) 13 Mann,
4. Zug Mannschaft zur alten Spritze 24 Mann,
5. Zug Buttenträger und Wasserschöpfer 28 Mann
6. Zug Rettungs-und Bewachungsmannschaft 21 Mann
7. Zug Läutemannschaft 5 Mann.
Ferner wurde eingeteilt: Bespannungsführer vier Mann und als Feuerreiter vier Mann.
In Steinheim fand am 1. Mai 1893 eine Feuerwehrhauptübung statt. Durch Feuerreiter wurden die Feuerwehren von Erdamnnhausen und Kleinbottwar sowei per Velozid (Fahrrad) diejenige von Murr herbeigerufen, "welche nach Verfluss von kurzer Zeit mit den nöthigen Gerätschaften und Spritzen auf dem markierten Brandplatze erschienen".
Zu den Anschaffungen im 19. Jahrhundert, die für die damals rein bäuerliche Landgemeinde eine hohe Belastung bedeuteten, kam in den Jahren 1900 bis 1902 der Bau einer Hochdruckwasserleitung mit Hydranteneinrichtung, die bis zum Jahr 1915 wesentlich erweitert wurde. 1928 wurde dann eine mechanische 13-Meter Feuerwehrleiter der Firma Bachert beschafft.
In den ersten 50 Jahren Ihres Bestehens wurde die Wehr 53mal eingesetzt. Bemerkenswert dabei ist, daß die Feuerwehrmänner in dieser ganzen Zeitspanne nur zweimal durch einen blinden Alarm an die Geräte gerufen wurden. In den Jahren 1929, 1948, 1955 und 1968 wurde der Spritzenbestand modernisiert und motorisiert.
Das Rapport- bzw. die Protokollbücher unserer Wehr aus den Jahren 1939 bis 1946 enthalten nur ein sachliche Eintragungen über Übungsstunden und kleinere Einsätze. Zwischen den Zeilen geschrieben steht aber, dass auch die Murrer Frauen, besonders in den letzten Kriegsjahren, ihre an den Fronten stehenden Männern ersetzten und vertreten mußten. Und sie taten es mit beispielhaftem Einsatz.
Von einem Großeinsatz unserer Wehr mit der Motorspritze bei einem durch Bombenangriff erfolgten Großbrand in Ingersheim soll noch berichtet werden, weil ja hierbei über Weinbergstaffeln hinauf besonders schwierige Löscharbeiten zu vollbringen waren, die den vollen körperlichen Einsatz aller Beteiligten erforderten. Murr selbst blieb während der Luftangriffe, außer einiger Brandbomben, die jedoch schnell abgelöscht werden konnten, und den vier großen Bombenkratern an der Häldenmühle, vor größeren Schäden verschont.
Nach dem Krieg wurden zwei Sirenen und zwei Feuermelder installiert. Eine dritte Sirene konnte 1967 bei der Gastätte Ziegelhütte angebracht werden. Heute sind noch eine Sirene im Industriegebiet und eine auf dem Rathaus aktiv.
Besonders wichtig war die Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses an der Theodor-Heuss-Straße im Jahr 1966. Der Kostenaufwand betrag damals 50.000 Mark. Zuvor stand die Spritze im alten Rathaus, Kohleraum und Arrestlokal mußten einst weichen, um dort den Leiterwagen unterbringen zu können. Auch das kleine Häuschen neben der Kirche diente als Magazin.
Im Juli 1975 veranstaltete die Wehr ihr erstes Sommernachtsfest um das Feuerwehrgerätehaus herum. Seitdem findet im Turnus von zwei Jahren dieses Fest statt.
Im Jahr 1977 wurde ein schweres Löschfahrzeug LF 8 der Feuerwehr übergeben. Hierzu schrieb die Ludwigsburger Kreiszeitung am 15. März 1977: "neues Fahrzeug für die Freiwillige Feuerwehr Murr: Am vergangenen Samstag übergab der Bürgermeister der Wehr den Schlüssel für das neue Feuerwehrauto, ein schweres LF 8 mit 117PS Leistung und Allradantrieb, mit einem Gewicht von 7,5 t.Das Fahrzeug besitzt eine optimale Ausrüstung für eine Löschgruppe."
Durch die Gemeinde wurde im gleichen Jahr eine Funkalarmierungsanlage angeschafft. Weiter verbessert wurde die Ausrüstung der Wehr durch die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges 16/25 in den Jahren 1979/1980. Ein Mannschaftstransportwagen konnte schließlich durch die finanzielle Hilfe einiger örtlicher Firmen im Mai 1983 übergeben werden.
Im Jahr 1986 wurde das neue Magazin im Lindenweg errichtet, in dem seitdem die Feuerwehr in modernen Räumlichkeiten untergebracht ist. Das Magazin besteht aus der Fahrzeughalle mit 4 Stellplätzen, einem Funkraum, Büro, sanitären Anlagen, Versammlungsraum. Am 27. Juni 1987 wurde das Feuerwehrmagazin an die Feuerwehr übergeben. Die Kosten beliefen sich damals auf 1,78 Millionen DM, wovon 400.000 DM aus Zuschüssen des Landes finanziert wurden.
Der Wandel der Zeit ging auch an der Murrer Wehr nicht spurlos vorüber. Im Juni 1997 wurde erstmals eine Frau Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Murr.
Im Oktober 1999 wurde dann eine Jugendabteilung unter Timo Simgen als Jugendfeuerwehrwart gegründet. Diese gehörten im Gründungsjahr rund 20 Jungen und Mädchen an. Auch heute spielt die Jugendfeuerwehr eine große Rolle in der Freizeitgestaltung der Jugendlichen und Nachwuchsgewinnung für die aktive Wehr. Nach Gründung der Jugendfeuerwehr wurde das Dachgeschoss mit einem Jugendraum durch Eigenleistung ausgebaut.
Im Rahmen einer von der Feuerwehr erstellten Gesamtkonzeption wurde vom Gemeinderat im Juli 2001 beschlossen, als Ersatz für das LF 8 ein neues LF 16TS zu beschaffen. Die Kosten für die Beschaffung beliefen sich auf 280.000 Euro, wovon 104.000 Euro vom Land bezuschusst worden sind. Das Fahrzeug wurde im Herbst 2001 ausgeliefert.
Anfang des Jahres 2009 wurde mit dem Fahrzeugkonzept für die Ersatzbeschaffung des TLF 16/25 begonnen. Die Wahl viel auf ein Vorführfahrzeug der Firma BAI. Dieses wurde für 219.000 Euro erworben. Am 4. September 2010 konnte das neue TLF 20/40, im Rahmen des Sommernachtsfestes, in Dienst gestellt werden. Das Fahrzeug wurde durch eine Schauübung der Jugendfeuerwehr eingeweiht. Diese feierte gleichzeitig Ihr 10jähriges Bestehen. Nach 10 Jahren als Jugendfeuerwehrwart gab Timo Simgen das Amt an Julian Riedel weiter.
Kommandanten der Feuerwehr Murr
1878-1884 Karl Lämmle
1884-1904 Gottlob Gruber senior
1904-1945 Gottlob Gruber junior
1945-1948 Friedrich Gruber
1948-1950 Friedrich Mäule
1950-1975 Karl Lang (Ehrenkommandant)
1975-1995 Edwin Eisenbarth (Ehrenkommandant)
1995-2000 Gerhard Bezner
2000-2010 Klaus Kehl
2010-heute Marcus Leibbrandt
Quellen:
Auszüge aus: "Die Feuerwehren im Landkreis Ludwigsburg" Hans Dahm / Jörg Weikert
Auszüge Jubiläumsschrift 1878-2003
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